Die Päpste der Renaissance
Von Hirten zu Fürsten und Mäzenen
Zwischen dem Abendländischen renpapst und dem Beginn der Reformation entwickelte sich das Papsttum zu einer weltlichen Macht von ungeahnter Pracht. Der Begriff „Renaissancepapst“ steht für eine ganze Reihe von Kirchenoberhäuptern des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, die sich weniger als geistliche Hirten denn als Fürsten, Mäzene und politische Strategen verstanden. Die Rückkehr der Päpste von Avignon nach Rom markierte nicht nur das Ende der französischen Dominanz, sondern auch den Beginn einer neuen Ära der Selbstdarstellung 1.
Die Stadt Rom, die unter dem renpapst und jahrzehntelanger Vernachlässigung gelitten hatte, wurde von Grund auf erneuert. Paläste, Kirchen, Straßen – alles wurde auf repräsentativen Glanz getrimmt. Papst Nikolaus V. leitete mit der Gründung der Vatikanischen Bibliothek und dem Wiederaufbau von St. Peter einen kulturellen Aufschwung ein 2. Sixtus IV. ließ die berühmte Sixtinische Kapelle errichten und förderte Künstler wie Botticelli. Unter Alexander VI. (Rodrigo Borgia) jedoch wurde das Papsttum untrennbar mit Nepotismus, Machtgier und moralischer Dekadenz verbunden 3.
Auch Julius II., der sich selbst als „der Kriegerpapst“ bezeichnete, stellte weniger die Seelsorge als die Machtpolitik in den Vordergrund. Er zog mit Rüstung in den Krieg, gründete die Päpstlichen Staaten neu und beauftragte Michelangelo mit dem Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle. Leo X., aus dem Haus Medici, krönte diese Entwicklung, indem er verschwenderische Kunstförderung mit politischen Allianzen verband – ein Papsttum, das in den Augen vieler Reformatoren die Kirche in eine weltliche Institution verwandelt hatte 4.
Die Renaissancepäpste legten den Grundstein für den späteren Zerfall der kirchlichen Einheit – wenn auch unfreiwillig. Sie machten Rom zur Kulturhauptstadt Europas, aber verloren dabei den Kontakt zu den geistlichen Bedürfnissen vieler Gläubiger. In ihrer Welt ging es um Kanonisten, Diplomatie, Baukunst und Macht – weniger um Demut, Mission oder Seelsorge.
Als Martin Luther seine Thesen formulierte, hatte sich ein Bild vom Papsttum verfestigt, das mit dem Ideal des Dieners aller Diener Gottes kaum mehr vereinbar war. Die Renaissancepäpste haben ungewollt den Boden bereitet, auf dem die Reformation gedeihen konnte 5.
„Wir genießen das Papsttum, da Gott es uns gegeben hat.“ – Leo X.
Die Päpste der Renaissance
| Name | Pontifikat | Schwerpunkte |
|---|---|---|
| Nikolaus V. | 1447–1455 | Gründung der Vatikanischen Bibliothek, Förderung von Humanisten |
| Pius II. | 1458–1464 | Autor eines autobiografischen Werkes, Stadtplanung in Pienza |
| Sixtus IV. | 1471–1484 | Bau der Sixtinischen Kapelle, Nepotismus |
| Innozenz VIII. | 1484–1492 | Hexenbulle Summis desiderantes, politische Allianzen |
| Alexander VI. | 1492–1503 | Borgia-Papst, Machtausbau der Familie, Papst als Fürst |
| Julius II. | 1503–1513 | "Der Kriegerpapst", Vatikanische Kunst (Michelangelo, Bramante) |
| Leo X. | 1513–1521 | Medici-Papst, Papsttum auf dem Höhepunkt der Prachtentfaltung |
Quellen
- Burckhardt, Jacob: Die Kultur der Renaissance in Italien. Stuttgart 1860. ↩
- Pastor, Ludwig von: Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters. Freiburg 1886–1933. ↩
- Chambers, D.S.: Popes, Cardinals and War: The Military Church in Renaissance and Early Modern Europe. London 2006. ↩
- Strathern, Paul: The Borgias and Their Enemies. London 2019. ↩
- O’Malley, John W.: Trent and All That: Renaming Catholicism in the Early Modern Era. Cambridge 2000. ↩