Das Kreuz offen tragen

Thomas von Aquin

Der Zusammenführer

Der Dominikanermönch Thomas von Aquin (ca. 1225–1274) zählt zu den herausragendsten Denkern des Mittelalters. In einer Zeit, in der sich Glaube und Vernunft oft gegenüberstanden, wagte er den Versuch, sie zu versöhnen – und schuf damit das Fundament der scholastischen Theologie.

Geboren in Italien als Sohn einer Adelsfamilie, trat Thomas früh in den Bettelorden der Dominikaner ein – sehr zum Missfallen seiner Familie. Sein Denken war geprägt von tiefer Frömmigkeit, aber auch von intellektueller Neugier. Unter dem Einfluss des neu wiederentdeckten Aristoteles versuchte er, die logische Methode des antiken Philosophen mit der christlichen Offenbarung in Einklang zu bringen.

Sein Hauptwerk, die Summa Theologiae, umfasst mehrere tausend Seiten und gilt als monumentaler Versuch, die gesamte Theologie seiner Zeit systematisch zu ordnen. Darin finden sich Überlegungen zur Dreifaltigkeit, zur Gnade, zur Natur des Menschen, zu den Sakramenten und zur Ethik – stets mit dem Anspruch, Vernunft und Offenbarung in einem harmonischen System zu vereinen.

Besonders einflussreich war seine Unterscheidung zwischen natürlicher und übernatürlicher Erkenntnis: Der Mensch kann vieles durch Denken erfassen – aber die entscheidenden Wahrheiten über Gott muss Gott selbst offenbaren. Thomas blieb also Theologe – kein Philosoph ohne Glauben.

Sein Denken war nicht unumstritten: In Paris wurde seine Lehre teilweise verboten, in anderen Regionen heftig kritisiert. Dennoch wurde er bald nach seinem Tod heiliggesprochen. Im 19. Jahrhundert wurde sein Werk durch Papst Leo XIII. als „ewig gültig“ bezeichnet – seitdem gilt Thomas offiziell als Doctor Angelicus („Englischer Lehrer“), der Inbegriff katholischer Vernunfttheologie.

Fazit: Thomas von Aquin war der große Zusammenführer von Offenbarung und Philosophie, von Glaube und Vernunft – und damit Wegbereiter der scholastischen Denkweise.

„Demut ist der Anfang der Erkenntnis.“ – Thomas von Aquin
  • Geburt in Roccasecca (Italien)
  • Eintritt in den Dominikanerorden
  • Studium bei Albertus Magnus in Köln
  • Lehrtätigkeit in Paris und Rom
  • Verfassen der Summa Theologiae
  • Gestorben auf dem Weg zum Konzil von Lyon
  • Heiligsprechung durch Johannes XXII.
 
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