Das Kreuz offen tragen

1085 bis 1492

Die Erste Reconquista - Zurückdrängen der Invasoren

Mit der Landung muslimischer Truppen unter Tariq ibn Ziyad im Jahr 711 begann eine der folgenreichsten Invasionen Europas: Innerhalb weniger Jahre geriet fast die gesamte Iberische Halbinsel unter islamische Herrschaft.Die christlichen Reiche des Westgotenreichs zerfielen, viele Adlige flohen in die Berge Nordspaniens. In erstaunlich kurzer Zeit errichteten die Invasoren das Emirat von Córdoba – zunächst als Provinz des Umayyaden-Kalifats, dann, ab 929, als unabhängiges Kalifat.Doch das Land war keineswegs leer: Zahlreiche Christen blieben, akzeptierten den neuen Herrscher oder lebten als sogenannte Mozaraber unter islamischer Herrschaft. Auch Juden fanden in Al-Andalus eine vergleichsweise tolerante Heimat. Dennoch war es keine friedliche Koexistenz: Die Dhimmi-Politik schloss Christen und Juden systematisch von Macht und gleichberechtigter Teilhabe aus, verlangte Sondersteuern und Einschränkungen. Immer wieder kam es zu Aufständen, Übergriffen und Emigration.

Bereits im 8. Jahrhundert formierte sich der Widerstand im Norden: Kleine christliche Königreiche wie Asturien, León, Navarra und Aragón begannen, sich zu stabilisieren. Der sagenhafte Sieg von Pelayo in der Schlacht von Covadonga (722) gilt als mythischer Beginn der Reconquista – auch wenn der eigentliche Aufstieg der Rückeroberung erst später begann.

Pelayo – Der Beginn der Reconquista

Pelayo (lat. Pelagius) war ein westgotischer Adliger, der nach der islamischen Eroberung Spaniens als einer der ersten ernstzunehmenden Widerstand organisierte. Um das Jahr 718 wurde er von einer kleinen christlichen Gemeinschaft im Gebirge Asturiens zum Anführer gewählt – und gilt als erster König des neuen Reichs von Asturien.

Berühmt wurde er durch die Schlacht von Covadonga (vermutlich 722), bei der seine zahlenmäßig unterlegenen Kämpfer eine muslimische Abteilung in den Bergen besiegten. Diese Episode wurde später zum Gründungsmythos der Reconquista erhoben – und Pelayo zu ihrer Symbolfigur.

Er starb um 737 und wurde als legitimer Erbe der Westgoten gefeiert. Sein Grab liegt im Heiligtum von Covadonga, das über Jahrhunderte hinweg ein Zentrum christlicher Identität in Nordspanien blieb.

Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte verschob sich die Grenze zwischen Islam und Christentum stetig nach Süden. Entscheidende Etappen waren die Eroberung von Toledo (1085) durch Kastilien, die Rückeroberung Saragossas (1118) durch Aragón und der entscheidende Sieg bei Las Navas de Tolosa (1212), der die militärische Vormachtstellung der Almohaden im Süden beendete.

Die Reconquista war jedoch kein durchgehender „Kreuzzug“. Vielmehr handelte es sich um eine jahrhundertelange Abfolge militärischer, politischer und dynastischer Prozesse, bei der christliche Herrscher gelegentlich auch untereinander kämpften – und mitunter auch Allianzen mit muslimischen Gegnern eingingen.Im 13. Jahrhundert fiel fast ganz Andalusien an Kastilien. Nur das Emirat von Granada blieb bestehen – und wurde fortan als Vasall unter christlicher Oberhoheit geduldet. Erst als die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón ihre Kräfte bündelten, kam es zur endgültigen militärischen Entscheidung: Am 2. Januar 1492 übergaben die letzten muslimischen Herrscher unter Emir Boabdil die Stadt Granada – nach monatelanger Belagerung, aber weitgehend kampflos.

Damit endete nach fast 800 Jahren islamischer Herrschaft die muslimische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel. Die Reconquista ist kein einfacher „Kreuzzug“, sondern ein vielschichtiger Prozess aus Widerstand, Rückeroberung und Re-Christianisierung – mit prägender Wirkung bis heute.

Nichts ist für ewig - wenn Gott es will.

Zeitleiste der Ersten Reconquista

    711 – Muslimische Truppen unter Tariq ibn Ziyad landen in Gibraltar. Sieg über die Westgoten bei Guadalete.


    722 – Sieg von Pelayo bei Covadonga. Beginn des asturischen Widerstands im Norden.


    756 – Gründung des unabhängigen Emirats Córdoba durch Abd ar-Rahman I.


    929 – Ausrufung des Kalifats von Córdoba – politischer und kultureller Höhepunkt muslimischer Herrschaft.


    1085 – Eroberung von Toledo durch Alfons VI. von Kastilien – großer strategischer Durchbruch.


    1118 – Zaragoza fällt an Aragón.


    1212 – Sieg der Christen in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa gegen die Almohaden.


    1236–1248 – Eroberung von Córdoba, Sevilla und weiten Teilen Andalusiens durch Kastilien.


    1492 – Übergabe von Granada an die katholischen Könige – endgültiges Ende der muslimischen Herrschaft.

Hauptakteure der Reconquista

  • Pelayo: Christlicher Anführer in Asturien, Held von Covadonga.
  • Alfons VI. von Kastilien: Eroberer Toledos – Schlüsselfigur im 11. Jahrhundert.
  • El Cid (Rodrigo Díaz de Vivar): Berühmter Söldnerführer, kämpfte für Christen und Muslime.
  • Die Almoraviden & Almohaden: Nordafrikanische Dynastien, versuchten Al-Andalus zu stabilisieren.
  • Königreich Aragón: Wichtige Erfolge im Osten, besonders unter Jakob I.
  • Königreich Kastilien-León: Triebkraft der südlichen Eroberungen.
  • Isabella & Ferdinand: Die katholischen Könige, beendet 1492 die muslimische Herrschaft.
  • Emir Boabdil: Letzter Herrscher Granadas, übergab die Stadt an Spanien.
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