Von 630 bis 800 n. Chr.
Islamische Expansion / Verlust wichtiger christlicher Zentren / Mission
Die Zeit nach 630 n. Chr. ist geprägt von dramatischen Veränderungen – geopolitisch wie religiös. Der aufstrebende Islam breitet sich in rasendem Tempo aus: Bereits wenige Jahre nach dem Tod Mohammeds 632 beginnt eine beispiellose Expansion. 637 fällt Jerusalem in die Hände der Araber, 641 Alexandria, 698 schließlich Karthago. Innerhalb weniger Jahrzehnte geraten die vormals bedeutendsten Zentren der antiken Christenheit in arabisch-muslimische Herrschaft.
Die Auswirkungen sind tiefgreifend: Patriarchensitze wie Alexandria, Antiochia und Jerusalem verlieren ihre politische und kommunikative Bedeutung – die ehemals große mittelmeerische Einheit der Christen zerbricht. Auch Nordafrika, das viele bedeutende Theologen wie Augustinus hervorgebracht hatte, wird nach 700 nahezu vollständig islamisiert.
Die Bistümer dort verschwinden oder überleben nur noch in kleinen, bedrängten Gemeinschaften. Rom und Konstantinopel bleiben zurück als letzte Großzentren einer christlichen Welt, die sich nun neu ordnen muss.
Diese Eroberungen waren nicht bloß politische Verschiebungen, sondern bedeuteten für die Kirche einen epochalen Einschnitt: Sprachräume, Handelsrouten, Bildungszentren – alles wurde unterbrochen oder umgelenkt. Die Kirche konnte sich in den eroberten Gebieten oft nur im Untergrund behaupten. In Ägypten etwa überlebten die koptischen Christen trotz Verfolgung, in Syrien blieben einige Gemeinden bestehen, doch die Zeiten geistiger Blüte waren vorbei. Die religiöse und kulturelle Initiative verlagerte sich endgültig nach Westen. Der Keim für die späteren Kreuzzüge ist gelegt
Gleichzeitig beginnt in eben jenem Westen eine neue Etappe: Die Völkerwanderung ist abgeklungen, neue Königreiche haben sich gebildet. In dieser Gemengelage wird das Christentum zur prägendsten geistigen Kraft – auch in Regionen, die bisher nur am Rand des römischen Imperiums lagen. Mission wird zur Hauptaufgabe.
Die Zeit nach 630 n. Chr. ist geprägt von dramatischen Veränderungen – geopolitisch wie religiös. Der aufstrebende Islam breitet sich schon während der Lebenszeit Mohammeds durch kriegerische Expansion in rasendem Tempo über die weitgehend wehrlosen christlichen Gebiete aus: 637 fällt Jerusalem, 641 Alexandria, 698 schließlich Karthago. Die ehemals blühenden Zentren der Christenheit im Nahen Osten und Nordafrika geraten unter muslimische Herrschaft. Die Kirche überlebt vielerorts – vor allem in Ägypten, Syrien und Palästina –, doch ihre politische Macht schwindet. Aus Patriarchaten werden Minderheitskirchen.
Gleichzeitig beginnt im Westen eine neue Etappe: Die Völkerwanderung ist abgeklungen, neue Königreiche haben sich gebildet. In dieser Gemengelage wird das Christentum zur prägendsten geistigen Kraft – auch in Regionen, die bisher nur am Rand des römischen Imperiums lagen. Mission wird zur Hauptaufgabe.
Die iro-schottische Kirche, getragen von keltischen Mönchen wie Columban und Columban von Iona, bringt das Evangelium nach Gallien und in den Rheinraum. Von Südengland aus senden römische Missionare wie Augustinus von Canterbury neue Impulse. In Bayern und Alemannien wirken irische Wandermönche – Askese, Bildung und Klosterleben gehen dabei Hand in Hand.
Ein herausragender Gestalter dieser Epoche ist Bonifatius († 754), ein angelsächsischer Mönch, der im Auftrag des Papstes das Frankenreich missionarisch organisiert. Er gründet Bistümer (z. B. Fulda, Würzburg, Erfurt), reformiert bestehende Strukturen und sorgt für die päpstliche Bindung der Kirche in Germanien. Sein gewaltsamer Tod bei Dokkum macht ihn zum „Apostel der Deutschen“.
Auch politisch wächst die Bedeutung der Kirche. Das Frankenreich unter den Karolingern entwickelt sich zur Schutzmacht des Papsttums. Als Rom von den Langobarden bedroht wird, greift der Frankenkönig Pippin der Jüngere ein – mit der „Pippinischen Schenkung“ entsteht der Kirchenstaat. Sein Sohn Karl der Große wird später eine enge Symbiose mit der Kirche eingehen: Mission, Bildung, Verwaltung und Recht werden unter christlichen Vorzeichen neu geordnet.
Die Christianisierung Mitteleuropas schreitet zügig voran. Bayern, Thüringen, Hessen und Friesland werden missioniert. In Friesland wirkt der Heilige Willibrord, in Sachsen (mit deutlich mehr Widerstand) später Karl der Große selbst. Das Mönchtum – etwa in St. Gallen, Reichenau oder Lorsch – wird zur kulturellen Kraftzelle Europas.
Im Osten bleibt das byzantinische Reich trotz islamischer Bedrohung ein Bollwerk des Glaubens. Konstantinopel übersteht mehrere Belagerungen. Die byzantinische Mission reicht nach Armenien, Georgien und sogar zu den Slawen. Während Rom und Byzanz noch in Einheit stehen, zeichnet sich bereits ein kultureller und liturgischer Unterschied ab – das Morgen- und Abendland beginnen, eigene Wege zu gehen.
Die Zeit zwischen 630 und 800 ist eine Ära der Neuformierung: Was zuvor antike Großstadt-Kirche war, wird nun zur Volkskirche. Was vorher unter Römern organisiert war, übernimmt jetzt das Mönchtum. Was früher verfolgt war, formt nun Imperien. Die Grundlagen für das christliche Mittelalter sind gelegt.
Christliche Zentren 630-800 n. Chr.
| Ort | Land | Bedeutung |
|---|---|---|
| Fulda | Deutschland | Gründung durch Bonifatius, Zentrum der Missionsarbeit |
| St. Gallen | Schweiz | Kulturelles Zentrum, Klostergründung ab ca. 719 |
| Reichenau | Deutschland | Klosterinsel, bedeutendes Zentrum der Buchkultur |
| Lorsch | Deutschland | Karolingisches Reichskloster, UNESCO-Welterbe |
| Köln | Deutschland | Bistum mit römischer Wurzel, neu organisiert durch Bonifatius |
| Canterbury | England | Sitz des Erzbistums, Mission durch Augustinus |
| Gent | Belgien | Christianisierung des Frankenreichs im Nordwesten |
| Paderborn | Deutschland | Bistum im Missionsgebiet Sachsen |
| Echternach | Luxemburg | Klostergründung durch Willibrord, Zentrum für Frieslandmission |
| Trier | Deutschland | Erneuter Aufschwung unter den Franken, Bistum aus römischer Zeit |
| Alexandria | Ägypten | Weiterbestehendes Patriarchat unter islamischer Herrschaft |
| Antiochia | Türkei | Orientalische Kirche, trotz islamischer Expansion |
| Etschmiadsin | Armenien | Patriarchatskirche, Zentrum der armenischen Christen |