Das Kreuz offen tragen

Gebete zum Abend

Ein wenig "aus der Mode" kamen bei dem alltäglichen Trubel unserer Zeit die Abendgebete.
Das ist schade, denn gerade sie sind eine gute Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu treten.
Außerdem helfen sie uns, den Tag Revue passieren zu lassen, uns selber zu reflektieren, unser Verhalten und unsere Taten in einem Spiegel anzuschauen.
Ob Betende sich direkt an Gott, an Jesus, den Heiligen Geist, Maria oder andere Heilige wenden, ist zweitrangig und bleibt dem Beter überlassen. Wichtig sind Ehrlichkeit, Offenheit und Hingabe.

Abendgebete für Kinder helfen, den Kleinen das Gefühl von Einbindung in ein Großes, Ganzes und eine unerschütterliche Sicherheit zu geben.

Es gibt viele gute Gründe, das Ritual des Abendgebetes wieder aufzunehmen. Lasst es uns tun!

Abendgebet für Kinder:

Müde bin ich, geh' zur Ruh', schließe meine Augen zu.
Vater, lass die Augen Dein, über meinem Bette sein.
Hab' ich Unrecht heut' getan, sieh' es, lieber Gott nicht an.
Deine Gnad' und Jesu Blut,
macht ja allen Schaden gut.
Alle, die mir sind verwandt,
Gott, lass ruhn in Deiner Hand.
Alle Menschen, groß wie klein,
sollen DIR befohlen sein.
Kranken Herzen spende Ruh', nasse Augen schließe zu.
Lass' den Mond am Himmel steh'n,
und die stille Welt beseh'n.
AMEN

Abendgebet für Erwachsene:

Herr, der Tag ist vorbei.
Manches ist gelungen, manches nicht.
Ich lege den Tag vor DICH. Mit allem, was mich freut, was mich ärgert, beschämt oder belastet.

Vergib mir, wenn ich hart war, ungerecht, dumm, bequem oder feige.
Und hilf mir, nicht mit mir selbst zu hadern über Dinge, die nicht mehr zu ändern sind.
Ich danke DIR für alles Gute, das heute da war:
für Begegnungen, für Arbeit, für kleine Zeichen, die ich fast übersehen hätte.
Lass mich morgen genauer hinschauen, wenn mir Gutes begegnet,
damit ich es besser und schneller erkenne.

Ich bitte DICH für die Menschen, die heute durch mich belastet wurden –
und für die, die mich belastet haben.
Gib uns Frieden, nicht weil wir vergessen, sondern weil wir wahrhaft vergeben.

Behüte heute Nacht alle, die sich ängstigen vor morgen.
Die Kranken. Die Einsamen. Jene, die auf Nachricht warten.
Und alle, die an keinem Gott mehr glauben können.

Gib auch mir Ruhe.
Nimm mir das Grübeln, das nichts repariert.
Schenke mir gesunden Schlaf, damit sich mein Körper und meine Seele erholen.

Lass' mich den Menschen, der bei mir schläft, lieben und schätzen.
Gib mir Verständnis, gib mir die Fähigkeit zu erkennen, was er/sie braucht.
Lass' mich sie/ihn glücklich machen.

Und wenn morgen kommt:
Mach' mich wacher im Geist, klarer im Wort und verlässlicher im Tun.
In DEINE Hände lege ich mich/uns, meine Träume und meine Seele.

AMEN.

Wenn man nicht vergeben kann.

Wie kann ich, Herr, vergeben,
was mir heut’ wurd’ getan?

Wie kann ich, Herr vergeben,
und leben nun fortan?

Doch unter Deinem Segen,
ist nichts mehr groß und schwer.

Denn unter Deinem Segen,
gibt’s Hader nimmermehr.

So, Herr, kann ich vergeben,
was mir heut’ wurd’ getan.

So, Herr, so kann ich leben,
von heute - und fortan.

Rückschau und Dank

So schau ich, Herr Jesus, zurück auf den Tag.
Seh, was mir gelungen, seh’ wo ich gefehlt.

Will sagen Dir Dank, will Dich loben und preisen.
Denn ohne Dich, Herr, bleibt den Händen nur Staub.

So will ich Dich preisen, Dir danken und singen.
Will meine Gedanken zur Ruhe nun bringen.

Will wieder wie Kinder mich ganz Dir ergeben.
Und hoffen auf morgen – und auf Deinen Segen.

So war denn der Tag

So war denn der Tag, wie Du ihn geschenkt
Wie Du ihn geschenkt, so hab ich ihn genommen
Denn was mir gehörte, das hab’ ich bekommen.

So war denn der Tag, wie Du ihn geschenkt
Nun lass mich Dir danken, für Sonne, für Regen.
Für Erd’ und das Dunkel, für Licht und für Segen.

So sende die Ruhe der Nacht nun zu mir.
Sende Träume und Atem, sende Engel und Mut.
Send’ den Morgen und Hoffnung. Was Du tust, das wird gut.

Das Abendgebet
in der kirchlichen Lehre

Ein Abendgebet bringt Körper und Geist zur Ruhe und übergibt für die Dauer der Nacht die Seele in Gottes Liebe.

Katechismus der Katholischen Kirche

  • „Die Überlieferung der Kirche kennt Gebete am Morgen und am Abend.“ (KKK 2697)
  • „Das Gebet der Kirche nährt den Glauben der Gläubigen. Es begleitet den Tageslauf, die großen Augenblicke des Lebens und die Geschichte der Menschheit.“ (KKK 2698)

Heilige Schrift

  • „In Frieden lege ich mich nieder und schlafe; denn Du allein, Herr, lässt mich sicher wohnen.“ (Psalm 4,9)

Kirchenväter

  • Augustinus beschreibt den Tagesausklang als den Moment der inneren Wahrhaftigkeit vor Gott, wenn der Mensch sich selbst nicht mehr ausweichen kann. (vgl. Augustinus, Enarrationes in Psalmos)

Neuere kirchliche Lehre

  • Benedikt XVI. betont, dass der Mensch am Ende des Tages alles Gott übergibt, „was er nicht mehr in den Händen halten kann“, und sich so bewusst unter seinen Schutz stellt. (vgl. Benedikt XVI., Katechesen und Ansprachen zum Gebet)
 
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