Gebet für Erkrankte
Krankheit - gerade wenn sie lang andauert, wenn sie langsam die Lebenskräfte aufzehrt - ist eine schwere Prüfung
Angehörigen und Freunden fällt es oft schwer, damit umzugehen. Ganz abgesehen einmal von den körperlichen und finaziellen Belastungen,
die schwere Krankheiten oft darstellen, ist es kaum erträglich, dieses stetige Verschlechtern mit ansehen zu müssen.
Glücklicherweise führen nicht alle schweren Krankheiten zum Tod.
Oft genesen Menschen selbst aus schlimmsten Zuständen wieder.
Hierfür zu beten, steht jedem gläubigen Menschen gut an.
Und gerade Menschen, die in Pflege- und Heilberufen oft mit Gebrechen, Krankheit und Tod zu tun haben, wissen um diese seltsame,
immer mal wieder auftretende "Heilung durch Gebet". Etwas, das sich dem medizinischen Wissen entzieht, aber für ehrliche Beobachter unstrittig ist.
Daher beten wir:
„Barmherziger Gott, Du bist der Arzt unserer Seelen und unserer Leiber.
Wir bitten Dich: Sieh in Gnade auf Deinen Diener / Deine Dienerin.
Schenke Heilung, stärke das Vertrauen, lindere das Leid,
und gib Kraft für den Weg der Genesung.
Wenn es Deinem heiligen Willen entspricht,
so nimm die Krankheit von ihm / ihr.
Wenn nicht, so gib Geduld und Trost.
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen.“
Oder: Wenn einen die Angst auffrisst
Herr Jesus Christus,
Du weißt, wie sehr mich diese Krankheit verunsichert.
Ich habe Angst vor dem, was kommt,
vor Untersuchungen, vor Ergebnissen, vor dem Morgen.
Bleib bei mir, wenn die Gedanken kreisen.
Schenke mir Ruhe und erholsamen Schlaf, wo ich keine habe und keinen finden kann.
Und schicke Vertrauen, wo mir der Mut fehlt.
Lege Deine Hand auf mein Herz
und lass mich spüren: Ich bin nicht allein.
Amen.
Oder: Gebet in der Müdigkeit bei langer Krankheit:
Herr, Du siehst meine Erschöpfung.
Die Tage ziehen sich,
die Hoffnung wird kleiner,
und die Kraft reicht kaum noch aus.
Gib mir Geduld, wo ich sie nicht mehr habe.
Gib mir Halt, wenn alles wankt.
Und lass mich glauben,
dass auch dieser Weg nicht sinnlos ist.
In Deine Hände lege ich diesen Tag.
Amen.
Oder: Gebet für Angehörige um Genesung eines Kranken:
Guter Gott,
ein Mensch, den ich liebe, ist krank (wahlweise einfach den Namen einsetzen, oder "Oma" etc. sagen),
und ich weiß oft nicht, wie ich helfen kann - ob ich es überhaupt kann.
Schenke mir Geduld,
schenke mir die richtigen Worte – oder das richtige Schweigen.
Und die Kraft, da zu sein, wenn es schwer wird, wenn es darauf ankommt.
Trage uns beide durch diese Zeit
und lass uns Deine Nähe spüren.
Amen.
Mit Krankheit umgehen
Gebete für Kranke sind ein zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens.
Leiden, Krankheit und Prüfung gehören zu den existenziellen Erfahrungen des Menschen. Für Christen ist das Gebet für Erkrankte so lebensnotwendig wie die Luft zum Atmen. Die Arten, wie Menschen mit Krankheit umgehen, sind so unterschiedlich wie die Zahl der Menschen selber. Einige wachsen daran an Seele, an Glauben, an Weisheit. Andere zerbrechen daran, verfluchen ihr Schicksal, schwören Gott ab und lassen sich ins Dunkel treiben.
Die christliche Tradition kennt diese Spannbreite sehr genau. Sie verklärt das Leiden nicht, aber sie negiert es auch nicht. Leiden ist kein Selbstzweck, kein von Gott gewünschter Zustand. Krankheit gehört zur Gebrochenheit der Welt, nicht zu ihrer Vollendung.
Zugleich sieht die Moraltheologie im Leiden mehr als bloßes biologisches Versagen. Der Mensch bleibt auch im Kranksein Person, Würde- und Beziehungsträger – unabhängig von Leistungsfähigkeit, Autonomie oder Nützlichkeit. Gerade darin unterscheidet sich der christliche Blick grundlegend von einem rein funktionalen Menschenbild.
Wann ist Leiden noch erträglich?
Diese Frage lässt sich nicht abstrakt beantworten. Die Kirche vermeidet bewusst starre Grenzwerte.
Sie erkennt an, dass Schmerz, Angst und Überforderung subjektiv erlebt werden – und dass nicht jeder Mensch gleich tragen kann.
Deshalb betont die Moraltheologie mit Nachdruck das Recht auf Linderung von Schmerzen, auf Begleitung, auf palliative Versorgung
und auf das Unterlassen unverhältnismäßiger medizinischer Maßnahmen.
Ein entscheidender Unterschied wird jedoch klar gezogen:
Und zwar der zwischen dem Zulassen des natürlichen Sterbens und dem aktiven Herbeiführen des Todes.
Das bewusste Töten – auch aus Mitleid, auch auf Wunsch des Betroffenen – widerspricht dem christlichen Verständnis vom Leben als Gabe,
nicht als verfügbares Eigentum. Diese Grenzlinie wird immer wieder diskutiert, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch innerlich in jedem Patienten.
Letztlich liegt es durchaus in der Verantwortung des Einzelnen, sein Leben und sein Leiden vor dem eigenen Gewissen zu beurteilen.
Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Die Seele wird sich vor Gott verantworten.
Christlicher Glaube antwortet auf das Leiden nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Nähe: mit Beistand, Gebet, Sakramenten, menschlicher Begleitung. Und mit der Hoffnung, dass selbst dort, wo der Körper zerfällt, das Leben nicht verloren geht, sondern verwandelt wird.