Die Eucharistie - das Wunder der Gegenwart Christi
Die Eucharistie – auch „Heilige Kommunion“ genannt – gilt als das höchste der sieben Sakramente der katholischen Kirche, weil durch sie Christus im Gottesdienst unmittelbar gegenwärtig wird – zwischen und mit den Menschen. Ihre Grundlage liegt in den Einsetzungsworten Jesu beim letzten Abendmahl:
„Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis. […] Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“
– Lukas 22,19–20
Die Kirche versteht diese Worte nicht als symbolische Aussage, sondern als reale Vergegenwärtigung des Opfers Christi. In der Wandlung – dem zentralen Moment der Messe – wird das Brot wesensmäßig zum Leib Christi und der Wein zum Blut Christi. Diese Lehre nennt man Transsubstantiation – eine Verwandlung des Wesens bei äußerlich gleichbleibender Erscheinung. Es bleibt äußerlich Brot und Wein, ist im innersten Wesen aber Leib und Blut Jesu Christi.
Diese Deutung ist in der Kirchengeschichte fest verankert – wurde aber im Laufe der Jahrhunderte vielfach missverstanden oder verfälscht. Der Vorwurf, die Christen „essen Fleisch und trinken Blut“, ist so alt wie das Christentum selbst und basiert auf einer fehlenden Unterscheidung zwischen physischem „Fleisch essen“ und der sakramentalen Gegenwart Christi. Die Kirche spricht hier von einem Mysterium fidei, einem „Geheimnis des Glaubens“, das sich nicht mit rein menschlicher Logik erfassen lässt.
In der katholischen Kirche empfangen Kinder in der Regel im Alter von etwa neun Jahren – meist im dritten Schuljahr – zum ersten Mal das Sakrament der Eucharistie. Diese sogenannte „Erstkommunion“ - meist am sogenannten "Weißen Sonntag" gefeiert - markiert einen wichtigen Schritt im Glaubensleben: das bewusste, wenn auch kindliche, Ja zum Glauben und die erste vollständige Teilnahme an der Eucharistiefeier. Die Vorbereitung darauf erfolgt durch Katechese, gemeinsames Lernen und das persönliche Gespräch mit Priestern oder Religionslehrern – oft begleitet durch eine Erstbeichte.
Ausschließlich Brot oder Brot und Wein?
In der lateinischen Liturgie wird bei der Kommunion üblicherweise nur der gewandelte Leib Christi (Brot in Form der Hostie) an die Gläubigen ausgeteilt. Dies geschieht in der Überzeugung, dass in jeder der beiden Gestalten – Brot und Wein – der ganze Christus gegenwärtig ist. Die sogenannte Konkomitanzlehre besagt: Wer nur den Leib Christi empfängt, empfängt nicht „die Hälfte“, sondern den ganzen Christus.
Trotzdem wird bei bestimmten Anlässen – etwa bei Hochfesten oder besonderen liturgischen Feiern – auch der Wein an die Gläubigen gereicht. Besonders in der östlichen Liturgie (byzantinischer Ritus) ist die Kommunion unter beiderlei Gestalt Standard. Dort wird das konsekrierte Brot (in kleine Stückchen geschnitten) mit einem Löffel aus dem Kelch gegeben – als eine Einheit.
Eine bildhafte Umschreibung für die hl. Kommunion kann auch sein „an den Tisch des Herrn“ zu treten. Dieses Bild hat tiefe Wurzeln in der Bibel und in der Liturgie der Kirche: Es verweist auf das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und auf das himmlische Gastmahl, das allen Gläubigen verheißen ist. Der Zugang zu diesem Tisch wird nicht leichtfertig eröffnet, sondern setzt ein inneres Ja zur Gemeinschaft mit Christus und der Kirche voraus.
Der Sinn der Eucharistie
In der Eucharistie feiern die Gläubigen nicht nur das Gedächtnis des letzten Abendmahls. Sie nehmen real am Opfer Christi teil – an seinem Tod und seiner Auferstehung. Die Messe ist keine Wiederholung, sondern eine Vergegenwärtigung des einmaligen Kreuzesopfers. Christus wird nicht neu geopfert, sondern sein ewiges Opfer wird in Raum und Zeit gegenwärtig gemacht.
Die Eucharistie ist damit zugleich Dank, Gedächtnis und Gegenwart. Und sie ist Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens, denn in ihr empfangen die Gläubigen die „Speise des ewigen Lebens“.
Eucharistie: Begriff und Entwicklung
- 1. Jahrhundert: Apostolische Gemeinden feiern "Brotbrechen" (vgl. Apg 2,42); schon hier Glaube an reale Christusgegenwart.
- 2. Jahrhundert: Justin der Märtyrer beschreibt die Eucharistiefeier detailliert, einschließlich des Glaubens an den wahren Leib Christi.
- 4. Jahrhundert: Kirchenväter wie Augustinus bekennen klar die sakramentale Realpräsenz.
- 11. Jahrhundert: Begriff "Transsubstantiation" taucht auf, um das Mysterium der Verwandlung zu fassen.
- 1215: Vierten Laterankonzil: Transsubstantiationslehre wird dogmatisch festgeschrieben.
- 16. Jahrhundert: Reformatoren lehnen die Wandlungslehre ab; das Trienter Konzil bekräftigt die katholische Position entschieden.
- Heute: Eucharistische Anbetung, Fronleichnamsprozessionen und die Messe als Quelle des Glaubenslebens weltweit gefeiert.
Unterschiede im Verständnis von Eucharistie und Abendmahl
| Römisch-katholisch | Evangelisch-lutherisch | Reformiert / Zwinglianisch |
|---|---|---|
| Realpräsenz Christi unter den Gestalten von Brot und Wein durch Transsubstantiation | Realpräsenz Christi „im, mit und unter“ Brot und Wein – keine Wesensverwandlung, sondern geheimnisvolle Gegenwart | Symbolisches Gedächtnismahl: Brot und Wein erinnern an das Opfer Christi, keine reale Gegenwart |
| Wandlung erfolgt durch den Priester in persona Christi – nur geweihte Priester können Eucharistie feiern | Ordination notwendig, aber keine „Wandlung“ im katholischen Sinn – Christus ist gegenwärtig durch den Glauben | Kein besonderer „Weihe“-Gedanke – jeder Gläubige kann im Prinzip das Mahl austeilen |
| Kommunion unter einer oder beiden Gestalten – Konkomitanzlehre: Christus ist ganz in jeder Gestalt gegenwärtig | Kommunion üblicherweise unter beiderlei Gestalt (Brot und Wein) | Kommunion unter beiderlei Gestalt, aber rein symbolisch verstanden |
| Nur Getaufte, nach Beichte und Erstkommunion vorbereitet, dürfen teilnehmen | Meist offen für alle Getauften, teilweise auch Gäste anderer Konfessionen | Teilweise sogar offen für alle, auch ohne formelle Taufe |
| Eucharistie als tatsächliche Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers – kein neues Opfer, sondern Teilnahme am ewigen Opfer | Abendmahl als Gedächtnis des Opfers – keine sakramentale Vergegenwärtigung im katholischen Sinn | Abendmahl rein als symbolisches Erinnerungsmahl an das letzte Abendmahl Jesu |