Die Taufe
Die Taufe ist das erste und grundlegende Sakrament der katholischen Kirche – die Pforte zu allen anderen Sakramenten. Sie ist das sichtbare Zeichen dafür, dass ein Mensch in die Gemeinschaft mit Christus und seiner Kirche aufgenommen wird. Schon Jesus selbst ließ sich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens im Jordan taufen – durch Johannes den Täufer. Damit wurde ein geistlicher Vorgang begründet, der bis heute das Wesen christlicher Identität prägt.
Ursprung und biblischer Bezug
Die Taufe Jesu ist im Neuen Testament mehrfach bezeugt – z. B. in Mt 3,13–17 und Mk 1,9–11. Dort wird berichtet, dass Jesus ins Wasser hinabstieg und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herabkam1. Die symbolische Bedeutung ist vielschichtig: Reinigung, Neugeburt, Versöhnung, und die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes.
Die Urgemeinde taufte zunächst ausschließlich Erwachsene – und zwar durch vollständiges Eintauchen in lebendiges Wasser. Das Untertauchen galt als Zeichen für das Sterben des alten Menschen, das Auftauchen als Symbol der Auferstehung in Christus (vgl. Röm 6,3–4).
Die Formen der Taufe
Mit der Ausbreitung des Christentums und der Zunahme von Taufen bei Kleinkindern wandelte sich auch die Form. Heute kennt die katholische Kirche mehrere gültige Taufformen:
- Immersionstaufe – das vollständige Eintauchen (historisch und in Ostkirchen noch verbreitet)
- Affusionstaufe – das Übergießen des Kopfes mit Wasser (heute weltweit Standard in der römisch-katholischen Kirche)
- Notfalltaufe – in Gefahr kann jeder Mensch, auch ein Nichtchrist, gültig taufen, wenn er Wasser verwendet und die trinitarische Formel spricht („Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“)
Die Immersion wird heute vor allem in den orthodoxen Kirchen praktiziert, wo die Taufe meist dreimaliges Untertauchen beinhaltet. Auch in einigen evangelikalen Gemeinden wird diese Form gepflegt – meist als bewusste Entscheidung Erwachsener.
Kindertaufe oder Erwachsenentaufe?
Die katholische Kirche erkennt beide Formen an, betont aber die Kindertaufe als Zeichen des Gnadenprimats: Der Mensch wird nicht durch eigene Entscheidung, sondern durch Gottes Liebe zuerst gerufen. Die Firmung ergänzt später die Taufgnade durch das bewusste Bekenntnis.
Als Katholiken halten wir an der Kindertaufe fest – aus tiefer theologischer Überzeugung. Sie versteht die Taufe als unverdiente Gnade Gottes, nicht als Akt menschlicher Reife oder Entscheidung. Die Taufe befreit nach katholischem Verständnis von der Erbsünde und öffnet das Herz für das Wirken des Heiligen Geistes von Anfang an. Sie gibt dem Kind einen Platz in der Gemeinschaft der Gläubigen – mit dem Recht, im Glauben zu wachsen. Eltern und Paten übernehmen mit der Taufe die Verpflichtung, das Kind im Glauben zu erziehen. Bereits seit dem 2. Jahrhundert ist die Kindertaufe bezeugt und wurde in der frühen Kirche zunehmend üblich. Sie ist Ausdruck dessen, dass Gottes Liebe dem Menschen vorausgeht – noch vor jeder eigenen Entscheidung.
Ungetauft verstorbene Kinder
Die Kirche hat sich seit jeher mit der Frage beschäftigt, was mit Kindern geschieht, die ohne Taufe sterben. Im Mittelalter wurde häufig die Vorstellung eines „Limbus puerorum“ diskutiert – eines Zustandes ohne Leiden, aber auch ohne die unmittelbare Schau Gottes.
Das Wort sagt eigentlich "Vorhölle", trägt aber hier keine Inhalte von Schmerz oder Qual. Wegweisend definierte Thomas von Aquin diesen Randbereich - sozusagen zwischen Himmel und Hölle. Ohne Leid, ohne Strafe, aber eben auch ohne die "visio beatifica", die Gottesanschauung"
Eine verbindliche Lehre hat die Kirche darüber jedoch nie festgelegt. Heute vertraut sie solche Kinder ausdrücklich der Barmherzigkeit Gottes an. Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert vorsichtig, aber hoffnungsvoll:
„Die große Barmherzigkeit Gottes, der will, dass alle Menschen gerettet werden, und die zärtliche Liebe Jesu zu den Kindern lassen hoffen, dass es für die ohne Taufe verstorbenen Kinder einen Weg des Heils gibt.“
— Katechismus der Katholischen Kirche, §1261
Im Jahre 2007 veröffentlichte eine Internationale Theologenkommission unter dem Vorsitz des damaligen Kardinals William Levada ein Dokument, das bestätigte: "Es gibt ernsthafte theologische Gründe zu hoffen, dass Gott diesen Kindern das Heil schenkt" In dieses Umfeld spielt auch das - nicht dogmatische - Verständnis von "Begierdetaufe" hinein.
Evangelische Kirchen folgen ähnlichen Wegen, während viele protestantische Freikirchen ausschließlich Erwachsene taufen, die sich bewusst für Christus entscheiden – oft in Form der Immersion.
Die Bedeutung der Taufe
In der katholischen Lehre wird die Taufe nicht nur als äußeres Bekenntnis verstanden, sondern als sakramentale Neuschöpfung: Der Mensch wird „neu geboren“ in Christus, befreit von der Erbsünde, aufgenommen in die Kirche. Es ist ein unauslöschliches Siegel, das nur einmal im Leben empfangen werden kann.
Die Taufe ist damit mehr als ein Ritual – sie ist Beginn des göttlichen Lebens im Menschen.
Außergewöhnliche Formen der Taufe
Die katholische Kirche kennt neben der sakramentalen Taufe auch zwei außergewöhnliche Formen, durch die Gott einem Menschen die Gnade der Taufe schenken kann.
Bluttaufe (baptismus sanguinis)
Schon in der frühen Kirche galt das Martyrium als eine Form der Taufe. Wer für Christus sein Leben hingibt, bevor er das Sakrament empfangen konnte, wird durch dieses Zeugnis mit Christus verbunden. Das Blutzeugnis gilt daher als „Taufe durch das Martyrium“.
Begierdetaufe (baptismus flaminis)
Von Begierdetaufe spricht man, wenn ein Mensch die Taufe aufrichtig begehrt, sie jedoch vor seinem Tod nicht mehr empfangen kann. Die Kirche vertraut darauf, dass Gott diesen Wunsch kennt und die Gnade der Taufe auch ohne das sichtbare Sakrament schenken kann.
Manche Theologen sehen hier eine Verbindung zur Problematik der ungetauft verstorbenen Kinder. Eine solche Begierdetaufe könnte gegeben sein, etwa wenn Eltern ihr Kind hätten taufen lassen wollen, wäre ihnen dazu Zeit geblieben. Eine verbindliche Lehre hat die Kirche darüber jedoch nicht festgelegt und vertraut diese Kinder letztlich der Barmherzigkeit Gottes an.
Quellen
- Matthäus 3,13–17; Markus 1,9–11. Bibeltexte z. B. abrufbar unter: www.bibleserver.com ↩
- Katechismus der Katholischen Kirche, Artikel 1213–1284. [Abschnitt zur Taufe]