Das Kreuz offen tragen

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ – Die Bedeutung der Auferstehung Jesu

In jeder Eucharistiefeier bekennen wir:

„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

Mit diesem einfachen Satz fasst die Kirche zusammen, was das Herz des christlichen Glaubens ist: Der Tod Jesu ist nicht das Ende, sondern der entscheidende Wendepunkt für das Schicksal eines jeden Menschen. Die Auferstehung ist Jesu’ Sieg über die Macht des Todes. Und dieser Sieg gilt nicht nur ihm allein, sondern allen, die an ihn glauben. Die Auferstehung Jesu ist keine Randerscheinung oder mythologische Erzählung. Sie ist der entscheidende Grund für die Existenz des Christentums. Ohne sie gäbe es keinen Ostersonntag, keine Kirche, keine christliche Hoffnung.

Die Auferstehung ist der Prüfstein des Glaubens. Schon Paulus schreibt unmissverständlich:

„Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist unser Glaube sinnlos und wir sind noch in unseren Sünden.“ (1 Kor 15,17)

Mit anderen Worten: Alles steht und fällt mit der Auferstehung.

Was bedeutet die Auferstehung Jesu theologisch?

Zunächst einmal ist sie die endgültige Bestätigung, dass Jesus eben nicht nur „ein Prophet oder Lehrer“ war, sondern der Sohn Gottes. In seiner Auferweckung durch Gottvater zeigt sich, dass Jesu’ gesamtes Leben – sein Wirken, sein Leiden, sein Tod – von göttlicher Autorität getragen war. Der Kreuzestod war kein tragisches Scheitern, sondern ein freiwilliges Opfer, das erst durch die Auferstehung seinen tieferen Sinn erhält: Sühne, Erlösung, Neuanfang, Hoffnung.

Gleichzeitig ist die Auferstehung Jesu auch kein bloßes Einzelereignis. Sie ist der Anbruch einer neuen Wirklichkeit: Sie ist das hoffnungsspendende erste Licht der neuen Schöpfung. Wer an Christus glaubt, hat Anteil an diesem neuen Leben – nicht nur später im Himmel, sondern schon jetzt, mitten in dieser Welt. Die Taufe etwa wird im Neuen Testament ausdrücklich als „Mitsterben“ und „Mitauferstehen“ mit Christus verstanden (vgl. Röm 6,3–5). Der Christ lebt also in einer ständigen Bewegung aus Tod und Auferstehung. Sein Alltag sollte – bestenfalls – durchzogen sein von täglicher Umkehr, der Hoffnung über den Tod hinaus und das Vertrauen in den lebendigen Gott.

Biblische Grundlage

Die biblische Grundlage der Auferstehung ist vielfältig und eindringlich. Alle vier Evangelien berichten von einem leeren Grab, von den Erscheinungen des Auferstandenen seinen Jüngern gegenüber und von der tiefen Verwandlung, die seine Jünger in diesen Erscheinungen erlebten. Maria von Magdala, Petrus, die Emmausjünger, Thomas – sie alle begegnen Jesus in seiner neuen, verwandelten Gestalt. Diese Begegnungen waren nicht halluzinatorisch oder symbolisch, sondern konkret und körperlich: Jesus isst, spricht, lässt sich berühren. Aber er ist zugleich verwandelt, entrückt, nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Die Bibel beschreibt kein Wiederbelebtwerden eines Leichnams, sondern die Geburt einer neuen Existenzweise – dieses „verklärten Leibes“, wie Paulus es später nennen wird.

Zentrale Bibelstellen sind:

  • Joh 11,25: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“
  • Lk 24,5: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“
  • Mt 28,6: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“
  • 1 Kor 15: Das große Kapitel über die Auferstehung – theologisch tief, apologetisch überzeugend, glaubensstärkend.

Was bedeutet die Auferstehung heute?

Für die Kirche heute ist die Auferstehung mehr als ein historischer Rückblick. Sie ist der Grund, warum der Sonntag als „Tag des Herrn“ gefeiert wird. Sie ist das Zentrum der Liturgie, das Herz der Sakramente und das Ziel jedes christlichen Lebens: Diese Hoffnung, dass auch wir durch Christus einst auferstehen werden. Und sie ist eine Einladung zur inneren Erneuerung, zur Umkehr, zur Lebensfreude im Glauben.

Denn wer als sicher erkannt hat, dass dem Tod nicht das letzte Wort gebührt, der kann im Alltag mit größerer Freiheit und Freude leben. Der muss sich nicht von Angst oder Resignation leiten lassen. Die Auferstehung Jesu ist also nicht nur eine Verheißung für das Jenseits, sondern eine Kraftquelle für das Hier und Jetzt.

Nicht ohne Grund ist eben nicht Weihnachten – wie vielfach angenommen – sondern Ostern das höchste Fest der Christenheit!
In allen christlichen Ländern rufen sich Gläubige das „Christus ist auferstanden“ als Ausruf höchster Freude zu. Und antworten mit „Er ist wahrhaft auferstanden!“ In Kulturen, die ihrer Freude emotionaler Ausdruck verleihen als in unserer, umarmen sich wildfremde Menschen, man bietet sich Brot, Wein und Trauben an. Ich kann nur empfehlen, mal in Länder des griechischen, byzantinischen oder arabisch-aramäischen Christentums zu reisen und dort an Osterfeiern teilzunehmen. Jeder, der es erlebt hat, wird erleuchtet, erkennt die Wahrheit in diesen Worten: „Christus ist auferstanden – ja, er ist auferstanden!“

Und diesen klaren Ruf christlicher Hoffnung braucht es gerade in unserer Zeit, in der der Tod oft verdrängt, vermarktet oder einfach wegerklärt wird. Denn unser Leben hat einen Sinn. Es geht weiter. Es wird verwandelt. Und Jesus selbst ging uns diesen Weg voraus.

„Christus ist auferstanden!“ – Ostergrüße weltweit

In vielen christlichen Kulturen wird zu Ostern ein spezieller Ruf verwendet, der die Freude über die Auferstehung ausdrückt. Antwort und Gruß sind fest in Liturgie und Alltagsglauben verankert:

  • Griechenland (orthodox):
    Χριστός ἀνέστη! – Ἀληθῶς ἀνέστη!¹
    (Christos anesti! – Alithos anesti!)
  • Russland (orthodox):
    Христос воскрес! – Воистину воскрес!²
    (Christos voskres! – Voistinu voskres!)
  • Arabischer Raum (orthodox & katholisch):
    المسيح قام! – حقًا قام!³
    (Al-Masīḥ qām! – Ḥaqqan qām!)
  • Rumänien (orthodox & uniert):
    Hristos a înviat! – Adevărat a înviat!
  • Ukraine (orthodox & uniert):
    Христос воскрес! – Воістину воскрес!²
  • Äthiopien (orthodox & katholisch):
    ክርስቶስ ተነስቷል! – እውነት ተነስቷል!⁴
    (Kristos tensətwal! – Iwunät tensətwal!)

Unierte Kirchen

Auch die mit Rom verbundenen Ostkirchen (z. B. Maroniten, Melkiten, griechisch-katholische Ukrainer) verwenden diese Rufe – in ihrer jeweiligen Sprache – ganz traditionell:

  • Melkitische Kirche (Syrien, Libanon):
    المسيح قام! – حقًا قام!³
    (Al-Masīḥ qām! – Ḥaqqan qām!)
  • Maroniten (Libanon, Syrien):
    ܡܫܝܚܐ ܩܡ – ܫܪܝܪܐ ܩܡ⁵
    (Msheekha qam – Shreera qam) (Aramäisch/Syrisch)
  • Ukrainisch griechisch-katholische Kirche:
    Христос воскрес! – Воістину воскрес!²

In lateinischen Kirchen ist dieser Gruß nicht institutionalisiert, aber auch hier ruft man sich in der Osternacht oder beim Osterfrühstück oft zu:

Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaft auferstanden!

Hinweise zu den verwendeten Schriftsystemen

  • 1 Griechisch – die liturgische Sprache der orthodoxen Kirche in Griechenland und Ursprung vieler christlicher Begriffe.
  • 2 Kyrillisch – wird in slawischen Ländern wie Russland und der Ukraine verwendet.
  • 3 Arabisch – liturgische Sprache vieler orientalischer Christen, u. a. in Syrien, Libanon, Ägypten und Palästina.
  • 4 Ge'ez (Äthiopisch) – eine alte semitische Sprache, heute liturgische Sprache der äthiopisch-orthodoxen und äthiopisch-katholischen Kirche.
  • 5 Syrisch/Aramäisch – die Sprache Jesu, heute noch liturgisch bei Maroniten und assyrischen Christen verwendet.
 
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