Engel - Jene, die uns schützen und behüten
Wer das Wort „Engel“ hört, denkt an Lichtgestalten, Flügel, Schutz und Hilfe von oben. Auf unzähligen Bildern, vor allem der Spätromantik, wurden sie gemalt, visualisiert, romantisiert.
Bei „Dämonen“ dagegen steigen in uns Bilder von Dunkelheit, Versuchung und Angst auf. Beides scheint aus verschiedenen Welten zu stammen, doch in Wahrheit haben Engel und Dämonen denselben Ursprung: Sie sind Geschöpfe Gottes, Geistwesen, erschaffen vor aller irdischen Zeit.
Die Kirche lehrt, dass alle diese Geistwesen ursprünglich als „gut“ geschaffen wurden. Sie besitzen Verstand und Willen und sind daher frei. Ein Teil dieser Engel entschied sich gegen Gott – aus Stolz, Rebellion oder Selbstverherrlichung. Sie wurden nicht vernichtet, aber aus dem himmlischen Reich verstoßen in eine Existenz getrennt von Gott. Aus ihnen wurden jene Wesen, die wir Dämonen nennen. Sie sind nicht „böse Götter“, sondern gefallene Geschöpfe. Ihr Wirken will den Menschen von Gott trennen.
Engel wollen helfen – Dämonen wollen verführen.Engel sind genauso wie Dämonen unsichtbare Wirklichkeiten, aber sehr verschieden in ihrem Wesen, in ihrer Ausrichtung und in ihrer Wirkung. Während die Engel das Heil des Menschen im Blick behalten, ihm zum Heil lenken, wollen Dämonen genau dieses Heil verhindern. Der Mensch hat – wie so oft in der Beziehung zu Gott – die Freiheit: Er kann sich mit gutem Willen und im Gebet dem Beistand der Engel anvertrauen. Er kann sich aber auch dem Einfluss dunkler Mächte öffnen, ob bewusst oder unbewusst. In beiden Fällen gilt jedoch: Die geistliche Welt ist keine neutrale Zone. Wer sich öffnet, lädt ein. Sowohl Engel als auch Dämonen. Und wer einlädt, muss mit den Besuchern klarkommen.
Die Anrufung der Engel – zwischen Vertrauen und Versuchung.
Die Kirche ermutigt seit jeher dazu, Engel um Beistand zu bitten. Besonders bekannt ist das einfache Schutzengelgebet, das viele schon als Kinder gelernt haben:
„Heiliger Schutzengel, mein lieber Begleiter, beschütze mich heute…“
Doch was hier geschieht, ist keine Beschwörung, keine Magie und schon gar kein Versuch, ein übernatürliches Wesen an sich zu binden. Die Engel sind Geschöpfe Gottes. Sie stehen in seinem Dienst, nicht im Dienst des Menschen. Ihre Hilfe ist Gnade, nicht Garantie. Wer Engel anruft, tut das in Demut, nicht mit Machtanspruch.
„Segnet den Herrn, all seine Engel, ihr starken Helden, die seinen Befehl vollstrecken.“ — Psalm 103,20
Die Kirche kennt den Engelglauben als festen Bestandteil ihrer Lehre. Im Katechismus heißt es:
„Vom Augenblick der Geburt an bis zum Tod ist das Leben des Menschen von ihrem Schutz und ihrer Fürsprache umgeben.“ — KKK 336
Aber: In den letzten Jahrzehnten haben sich vielerorts Praktiken eingeschlichen, die aus dem Anruf der Engel eine Art spirituelles Werkzeug machen wollen. Engel sollen „an Personen gebunden“, „überredet“ oder gar „verpflichtet“ werden. Einige esoterische Anleitungen versprechen, man könne sich durch bestimmte Rituale „seinen persönlichen Erzengel sichern“ oder sogar eine Art „Engel-Coach“ installieren. Solches Denken verfehlt das Wesen der Engel und widerspricht der Lehre der Kirche.
„Engel sind Diener und Boten Gottes. […] Sie gehören ganz ihm, weil sie auf ihn schauen und seine Stimme hören.“
— Katechismus der Katholischen Kirche 329
Engel handeln frei und in Übereinstimmung mit Gottes Willen. Sie stehen uns bei – aber nicht auf Zuruf wie ein persönlicher Assistent. Sie helfen, wenn wir aus lauterer Gesinnung um Hilfe bitten. Engel lassen sich nicht von uns binden – sie werden uns von Gott gesandt. Wer versucht, geistliche Wesen zu „nutzen“, entstellt das Gute. Oder – im schlimmsten Fall – öffnet sich für das Böse. Denn dort, wo das Geistige instrumentalisiert wird, offenbart sich nicht der Himmel, sondern die Täuschung.
Die ehrliche Anrufung der Engel geschieht mit Vertrauen, mit klarem Herzen und ohne Tricks.Der Schutzengel, dem wir uns im Gebet anvertrauen, erwartet keine Formel, sondern ein offenes Herz und den Wunsch nach dem Guten.
„Herr, gib deinen Engeln Befehl, dass sie uns behüten auf allen unseren Wegen.“
— Tagesgebet zum Schutzengelfest, 2. Oktober
Dämonen – wie sie wurden – und warum wir sie nicht anrufen sollten
Dämonen waren Engel. Sie wurden von Gott geschaffen, als gute Geistwesen mit Verstand, Willen und Freiheit. Sie entstammen nicht einer „bösen zweiten Schöpfung“, sondern haben sich in Freiheit gegen Gottes Willen gewandt. Diese Abwendung von Gott führte erst zu dem, was wir heute als „das Böse“ kennen.
„Der Teufel und die anderen Dämonen wurden von Gott gut geschaffen hinsichtlich ihrer Natur, aber sie wurden böse durch sich selbst.“
— IV. Laterankonzil, 1215
Diese gefallenen Engel wurden nicht vernichtet, sondern aus der Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen. Ihr Zustand ist kein Nicht-Sein, sondern ein fortgesetztes, dauerhaft von Gott getrenntes Dasein, voller Widerstand gegen seinen Plan.
„Es handelt sich um eine freie Entscheidung dieser Geisterwesen, die sich unwiderruflich von Gott trennten.“
— KKK 392
So entstand, was wir Dämonen nennen: Engel, die das Gute verneint und das Böse gewählt haben.
Nicht erschaffen zum Bösen – sondern durch Entscheidung dazu geworden.
Sie wirken nicht als Gegen-Götter, sondern als zerstörerische Verführer.
Ihr Ziel ist es, den Menschen vom Heil ab- und gegen Gott aufzubringen. Nicht jede Versuchung stammt von ihnen.
Aber jeder Dämon wirkt gegen Gottes Willen.
Spirituelles Spiel mit dem Feuer
Warum man das Dunkel besser nicht ruft – und was passiert, wenn man es doch tut
Viele Menschen experimentieren aus Neugier oder Langeweile mit okkulten Praktiken – und meinen, dies sei „doch harmlos“. Ein Ouija-Brett auf einer Party, eine Pendelsitzung in der Schulklasse, ein Voodoo-Püppchen als Andenken aus dem Urlaub. Die Vorstellung dahinter: Es sei „nur ein Spiel“.
Doch die Kirche sieht das anders und warnt seit Jahrhunderten vor jeder Form der bewussten Öffnung hin zum Dunkel. Denn was da angerufen wird, bleibt nicht immer aus. Die alte Warnung „sei vorsichtig mit dem, was Du Dir wünscht“ gilt auch hier. Denn
„Wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis.“ / — Epheser 6,12
Die Bibel ist in ihrer Sprache eindeutig: Die Welt des Bösen ist real und wirksam. Wer sie kontaktiert, ruft keine neutrale Energie, sondern ein persönliches, widergöttliches Gegenüber.
„Der Satan selbst tarnt sich als Engel des Lichts.“ / — 2. Korinther 11,14
Es beginnt oft harmlos: Ein Brett, ein Spruch, eine Kerze. Aber was wie ein „Selbstversuch“ aussieht, kann in eine geistliche Abhängigkeit führen. Die Kirche nennt solche Praktiken spiritistische Manipulation und verurteilt sie als schwerwiegende Gefahr für die Seele.
Die Grenzen zwischen Spiel und Ernst verschwimmen, wenn der Mensch sich der unsichtbaren Welt öffnet. Der Welt der Rebellion gegen die Ordnung Gottes. Es ist nicht altbacken, ängstlich oder feige, davor zu warnen. Es ist notwendig!
„Wir dürfen nicht naiv sein: Der Teufel existiert, er ist nicht ein Symbol, sondern ein persönliches Wesen, das uns ins Verderben ziehen will.“ / — Papst Franziskus, 2018
Wo sich der Mensch bewusst dem Dunklen zuwendet – sei es in schwarzer Magie, in Ritualen, Flüchen, Anrufungen oder Hass-Zaubern – tritt er in einen Bereich ein, in dem er keine Kontrolle mehr hat.
Die Antwort der Kirche ist klar: Nicht das Dunkel rufen – sondern das Licht suchen.
Die Namen der Engel, der Schutz Gottes, das Gebet, die Sakramente – sie stehen gegen den falschen Reiz des Unheimlichen.
Denn: Wer ruft, lädt ein. Und wer einlädt, muss mit dem Gast leben.
Erzengel in der Überlieferung
Kanonisch bezeugt:
- Michael – der Kämpfer gegen das Böse (Dan 10,13; Offb 12,7)
- Gabriel – der Bote Gottes (Dan 8,16; Lk 1,26)
- Raphael – der Heiler und Begleiter (Tob 12,15)
Nicht‑kanonische (apokryphe) Überlieferungen:
- Uriel – „Gott ist mein Licht“ - Engel der Weisheit, Wächter des Feuers
- Selaphiel "Gebet zu Gott" – Engel des Gebets und der Anbetung
- Jegudiel – "Lob Gottes" - Schutzengel derer, die Verantwortung tragen
- Barachiel – "Segen Gottes"- Engel des göttlichen Segens, Patron der Familie
Die katholische Kirche anerkennt nur die drei kanonisch bezeugten Erzengel als Teil der verbindlichen Offenbarung. Die übrigen stammen aus apokryphen Quellen, die in einigen orthodoxen Kirchen liturgisch tradiert werden.
Keine Namen für die dunklen Mächte
Spräche man die Namen des Bösen aus, gäbe man ihm Ehre, die ihm nicht gebührt.
Sprache entfaltet Wirkung, und den Namen des Bösen zu nennen, kann den Geist verwirren, das Herz verdunkeln und Mächte einladen, denen kein Mensch gewachsen ist.
Gesagt werden soll nur, dass an ihrer Stelle die Namen der Engel genannt werden sollten, damit sie uns ihren Schutz zukommen lassen – gegen die Mächte des Dunkel, die zu benennen nicht Sache des Menschen ist.
Denn nicht der Name des Bösen rettet – sondern der Name Gottes.
Warnungen & Weisungen im geistlichen Kampf
- „Denn wir haben nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister des Bösen.“ /– Epheser 6,12
- „Der Satan selbst tarnt sich als Engel des Lichts.“
– 2. Korinther 11,14 - „Die Geister der Dämonen tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der Erde, um sie zum Kampf zu versammeln am großen Tag Gottes.“ / – Offenbarung 16,14
- „Der Teufel und die anderen Dämonen wurden von Gott gut geschaffen hinsichtlich ihrer Natur, aber sie wurden böse durch sich selbst.“ /– IV. Laterankonzil, 1215
- „Sie lieben es, als Götter verehrt zu werden. Doch sie sind keine Götter, sondern verführte Geister, die mit uns im Wettlauf um unsere Seelen stehen.“ / – Augustinus, De Civitate Dei VIII
- „Der Teufel ist nicht ein Mythos, sondern eine reale Person. Wir müssen lernen, geistlich zu kämpfen – mit dem Wort Gottes, mit Gebet und mit der Hilfe der Engel.“ / – Papst Franziskus, Predigt 11.4.2014
- „Wir dürfen nicht naiv sein: Der Teufel existiert, er ist nicht ein Symbol, sondern ein persönliches Wesen, das uns ins Verderben ziehen will.“ / – Papst Franziskus, Interview 2018
- „Fliehe, Feind des menschlichen Heils. Weiche vor Christus! [...] Es ist Gott, der dich gebietet.“ / – Rituale Romanum, Exorzismusformel
- „Widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen.“ / – Jakobus 4,7