Das Kreuz offen tragen

Mit Kindern beten

"Darf ich mit meinem Kind beten?" Diese Frage höre ich wirklich ab und zu. Oft von Menschen, die selber unsicher sind im Glauben. Oder - noch überraschender - die sich ängstigen, mit solchen Gebeten "die Kinder in eine falsche Richtung zu drängen".
Mein Rat: Vertraut Gott und seinen Engeln! Denn gerade Kinder brauchen Gewissheiten.

  • Die Gewissheit der Liebe.
  • Die Gewissheit des Gehaltenseins.
  • Die Gewissheit, dass da einer ist – größer als alle Sorgen, stärker als jede Dunkelheit.
Genau das geschieht im Gebet.
Kinder beten anders als Erwachsene. Direkter. Unverstellter. Oft auch berührend konkret:
Vor allem aber: Sie fühlen, dass da etwas ist, das sie hält. Mit dem sie sprechen können.
Wir alle sollten lernen, mit Kindern zu beten, nicht nur für sie.
Ein Abendgebet kann ein Anker sein, ein Engelgebet ein Trostspender, ein Kreuzzeichen für: Du bist nicht allein.
Tischgebete können schon den Kleinen zeigen, dass Essen etwas Wertvolles ist. Etwas, wofür sich zu bedanken lohnt.

Wenn Kinder in der Sicherheit des Glaubens, in der Wärme der Gebete aufwachsen,
werden sie stabiler und weniger anfällig für die Versuchungen der späteren Jahre.
Lasst uns diese Chance nicht verpassen - beten wir nicht nur für, sondern auch mit unseren Kindern!

Hier ein paar kindgerechte Gebete:


Für alle Gelegenheiten:

Und wenn Dir da oben die Engelein singen,
dann schick’, Herr, ein paar davon bitte zu uns.
So eines zu jedem – oder zumindest pro Haus.
Dir singen genügend, Dir gehen’ sie nicht aus.

Und sag’ ihnen noch, sie soll’n Segen mitbringen.
Und Verständnis. Und Liebe. Gute Gedanken. Und Mut.
Denn dann, Herr, so denk’ ich, wird’ alles gelingen.
Wird’ alles gelingen – und alles wird’ gut.

Als Abendgebet:

Müde bin ich, geh' zur Ruh', schließe meine Augen zu.
Vater, lass die Augen Dein, über meinem Bette sein.
Hab' ich Unrecht heut' getan, sieh' es, lieber Gott nicht an.
Deine Gnad' und Jesu Blut,
macht ja allen Schaden gut.
Alle, die mir sind verwandt,
Gott, lass ruhn in Deiner Hand.
Alle Menschen, groß wie klein,
sollen DIR befohlen sein.
Kranken Herzen spende Ruh', nasse Augen schließe zu.
Lass' den Mond am Himmel steh'n,
und die stille Welt beseh'n.
AMEN


Es gibt viele verschiedene Gelegenheiten, mit Kindern zu beten.
Eltern können hier vielleicht ein- oder zweimal vorformulieren. Die Kinder lernen so, sich später selbständig an Gott zu wenden, in alltäglichen Situationen, dann ohne Anleitung von außen.
Es kann um kleine Situationen aus dem Alltag gehen, die das Kind beschäftigen.
Und bitte - auch unangehme Situationen aufnehmen, nicht um den heißen Brei herumreden. Kinder spüren Spannungen und die sollten angesprochen und in Gottes Hand gegeben werden. Z.B.:

Lieber Gott!
Das war ein schöner Tag.
Mama und Papa waren mit mir/uns (Einfügen wie ‚schwimmen‘, ‚auf dem Spielplatz‘ usw.) Das war toll.
Danke, dass DU bei uns warst.
Danke, dass DU uns beschützt hast.
oder:
Herr Jesus!
Morgen muss ich in die Schule.
Und da soll ich (Einfügen wie ‚eine Arbeit schreiben‘, ‚Sport machen‘ usw.). Davor hab ich Angst.
Sag’ meinem Schutzengel, er soll auf mich aufpassen.
Dann geht es mir gleich besser.
oder:
Herr Jesus!
Mir geht es gar nicht gut.
Heute hatten Mama und Papa Streit.
Bitte lass sie sich wieder vertragen, ich mag es nicht, wenn sie laut sind.

Und zusammen mit den Kindern:

Herr Jesus. Bald wird es Abend.
An Deinem Bett und über Deine Träume wachen die Engel.
Herr Jesus, lass uns gut schlafen, damit wir morgen alle fröhlich aufstehen.
Denn ich weiß ja – DU passt auf uns auf.
oder
Schutzengel mein!
Lass mich bei dir geborgen sein.
Pass’ auf mich auf, bleibe bei mir.
Schutzengel, dafür danke ich Dir.

Mit Kindern beten
in der kirchlichen Lehre

Das Gebet mit Kindern ist kein pädagogisches Beiwerk, sondern ein zentraler Ausdruck christlicher Glaubensweitergabe. Die katholische Kirche versteht das gemeinsame Gebet als Weg, Kinder früh in eine lebendige Beziehung zu Gott einzuführen und ihnen Halt und Geborgenheit zu vermitteln.

Die Bibel sagt dazu:

  • „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ (Mk 10,14)
  • „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3)
  • „Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“ (Mt 18,10)

Katechismus der Katholischen Kirche

  • „Die Eltern haben die erste Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder im Glauben, durch das Zeugnis ihres Lebens und durch das Gebet.“ (KKK 2223)
  • „Das Gebet ist die lebendige Beziehung der Kinder Gottes zu ihrem Vater.“ (KKK 2565)

Neuere kirchliche Lehre

  • Joseph Ratzinger betont, dass der Glaube nicht zuerst Ergebnis reflektierten Denkens ist, sondern empfangen wird – besonders im Raum von Vertrauen und Beziehung. (vgl. Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum)
 
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