Das Kreuz offen tragen

Verwantwortung nur mit Gott

Warum ethisches Handeln mehr braucht als Konsens

Moderne Gesellschaften betonen Autonomie, Freiheit und Eigenverantwortung. Das klingt gut – und ist es auch. Doch je tiefer man bohrt, desto deutlicher wird: Verantwortung braucht ein Fundament. Und dieses Fundament ist mehr als bloße Übereinkunft oder Gesetz. Es ist eine Antwort – auf einen Ruf. Wer Verantwortung übernimmt, antwortet auf etwas, das größer ist als er selbst. Und das ist letztlich: Gott. Wird Gott aus dem ethischen Denken gestrichen, bleibt oft nur der Nutzen. Was nützt dem Kollektiv, was fördert das Wohl der Mehrheit? Doch wo ist der Halt, wenn die Mehrheit sich irrt? Wenn das Kollektiv Druck ausübt? Wenn „legal“ nicht mehr „moralisch“ ist?

„Der Mensch bestreitet, dass er ein Geschöpf Gottes ist, dass es eine seiner Natur vorgängige Wahrheit gibt.
""Ohne Gott bleibt das Gewissen stumm. Es sagt nichts mehr. Denn es gibt keine Instanz, die zu mir spricht.“ – Papst Benedikt XVI., Bundestagsrede 2011

Die biblische Vorstellung von Verantwortung ist konkret: Der Mensch ist nicht sich selbst Gesetzgeber, sondern Verwalter. Er soll bebauen und bewahren (Gen 2,15), nicht zerstören. Er ist berufen, das Gute zu wählen, nicht nur das Mögliche. Und er weiß: Vor Gott kann er sich nicht verstecken. Gerade in einer Zeit wachsender technischer Macht ist dieser Gedanke aktuell. Denn Verantwortung heißt: Ich bin nicht nur verantwortlich *für*, sondern auch *vor* – vor einem Anderen, der mich sieht, auch wenn keiner hinschaut. Nur dann entsteht ein Gewissen, das nicht käuflich, nicht manipulierbar ist.

„Das Gewissen ist der Ort, an dem der Mensch allein ist mit Gott, dessen Stimme in seinem Innersten erklingt.“ – Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1776

Verantwortung ohne Gott ist möglich – aber prekär. Sie hängt an Stimmungen, an Moden, an Machtverhältnissen. Verantwortung *mit* Gott aber ist dauerhaft, belastbar, frei. Sie befreit den Menschen nicht von Entscheidungen, sondern zum verantwortlichen Handeln. Sie schützt vor Zynismus und vor Fanatismus – denn sie kennt Gnade. Deshalb gilt: Wer das Kreuz offen trägt, erinnert nicht nur an Erlösung – sondern auch an Berufung. Er lebt nicht beliebig, sondern antwortet – auf den Ruf des einen Gottes, der jeden Menschen beim Namen ruft, der ihn kennt und liebt.

 
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