Christentum als Kern des Abendlands
Unsere Kultur hat ein Fundament – und das ist nicht neutral
Europa ist mehr als ein geografischer Raum. Es ist eine gewachsene Idee – getragen von Werten, Normen und einem Menschenbild, das seine tiefsten Wurzeln im Christentum hat. Freiheit, Menschenwürde, Verantwortung, Nächstenliebe, Barmherzigkeit: All das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern in Jahrhunderten christlicher Prägung gewachsen.
„Die kulturelle Identität Europas ist untrennbar mit dem Christentum verbunden.“
– Papst Benedikt XVI., Europarede 2004
Ohne das Christentum gäbe es keine gotischen Kathedralen, keine gregorianischen Gesänge, keine Universitäten im modernen Sinn. Das Alphabet der westlichen Ethik – von Augustinus über Thomas von Aquin bis Bonhoeffer – ist zutiefst christlich durchtränkt. Auch unsere Sprache zeugt davon: „jemandem vergeben“, „sich berufen fühlen“, „das Kreuz tragen“ – all das hat eine Geschichte. Doch dieses Fundament wird heute gern geleugnet. Man will neutral sein – aber Neutralität gibt es nicht. Eine Kultur, die ihre Wurzeln kappen will, verliert Orientierung. Man kann die Frucht nicht lieben und die Wurzel verachten. Wenn Europa sich neu finden will, muss es sich erinnern – an das, was es geprägt hat. Und das war kein anonymer Humanismus, sondern die konkrete Gestalt des christlichen Glaubens.
„Wir sind nicht durch Säkularismus, sondern durch den Glauben menschlich geworden.“Das bedeutet nicht, dass andere Traditionen keinen Platz hätten. Aber wer Toleranz fordert, sollte wissen, woher sie kommt: aus der christlichen Idee vom freien Willen, vom Gewissen und vom göttlich begabten Menschen. Eine säkulare Gesellschaft kann nur leben, solange sie von geistigen Ressourcen zehrt, die sie selbst nicht schafft.
– Robert Spaemann, Philosoph
Und auch unsere Demokratie lebt nicht von Technik oder Bürokratie, sondern vom moralischen Kompass. Dieser Kompass ist nicht austauschbar. Er lebt davon, dass Menschen glauben, hoffen, lieben – und Verantwortung übernehmen. Das Kreuz ist das sichtbarste Symbol dafür. Es steht für Versöhnung, Wahrheit und Opferbereitschaft. Ohne diese Tugenden wird aus Freiheit Beliebigkeit und aus Gleichheit Gleichgültigkeit.
Die christliche Botschaft dagegen sieht den Menschen als geliebtes Geschöpf Gottes, berufen zur Freiheit und zur Liebe. Johannes Paul II. betonte in seiner Enzyklika Evangelium Vitae:
„Wer Gott verdrängt, hat am Ende auch den Menschen aus dem Blick verloren.Darum: Christentum ist keine Fußnote Europas, sondern seine Grundschrift. Wer das Kreuz offen trägt, erinnert an dieses Erbe – nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung.
– Papst Johannes Paul II., Strasbourg 1988
Denn ohne diese Erinnerung wird das Abendland irgendwann nur noch geographisch existieren. Geistlich ist es dann längst gefallen.