Das Kreuz offen tragen

Was katholisch sein bedeutet – ein Überblick

Unser katholischer Glaube ist über 2.000 Jahre alt. In dieser Zeit haben die größten Denker ihrer Epochen versucht, zu fassen, was ihn ausmacht. Für uns Heutige ist es nicht einfach, sich darin zurechtzufinden – zumal von allen Seiten Vorurteile, falsches Verstehen und manchmal bewusstes Fehlinterpretieren auf uns einprasseln.

Um in all dies ein wenig Licht zu bringen, um auch Argumente an die Hand zu geben, die in Gesprächen mit (noch nicht) Gläubigen Orientierung leisten, mag diese kleine Auflistung wichtiger Glaubensregeln und -inhalte dienen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – aber ein klein wenig erhellen mag sie schon.

Die Kirche – von Jesus Christus gestiftet, nicht von Menschen erfunden

Die katholische Kirche versteht sich nicht als religiöse Bewegung, die im Laufe der Geschichte entstanden ist, sondern als von Gott selbst gestiftete Wirklichkeit. Sie ist nicht das Ergebnis menschlicher Suche nach Sinn, sondern Antwort auf ein göttliches Handeln in der Geschichte.

Gestiftet wurde sie durch Jesus Christus selbst. Nicht im Sinne einer Organisation, sondern als sein Leib in der Zeit. „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ – dieses Wort ist kein Bild für Gemeinschaft, sondern Zusage und Auftrag zugleich.

Diese Kirche wurde zu treuen Händen an Petrus übergeben, den ersten der Apostel, und mit ihm an jene, die in seiner Sendung stehen. In ununterbrochener apostolischer Sukzession wurde diese Sendung von Papst zu Papst, von Bischof zu Bischof weitergegeben. Bis hinein in unsere Gegenwart.

Darum ist die Kirche keine Versammlung Gleichgesinnter und kein Zusammenschluss aus eigener Berufung. Sie lebt nicht aus Selbstermächtigung, sondern aus Sendung. Nicht aus Mehrheitsbeschlüssen, sondern aus Treue. Nicht aus dem Zeitgeist, sondern aus der Verheißung Christi. Auf der verlinkten Seite erklären wir, was eine "Kirche" wirklich ausmacht.

Wo diese apostolische Linie fehlt, kann es zwar lebendigen Glauben geben, ehrliche Nachfolge und aufrichtige Frömmigkeit. Was dort jedoch fehlt, ist die volle kirchliche Wirklichkeit – das sakramentale Band, das die Kirche durch alle Zeiten hindurch zusammenhält.
Die volle Nachfolge Christi, wie sie von ihm selbst gestiftet wurde, findet ihre Heimat ausschließlich in der katholischen Kirche. So wie es im großen Glaubensbekenntnis heißt: „Wir glauben an … die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Glaube als Antwort

Niemand wird „aus Versehen“ gläubig. Der Glaube ist eine Antwort auf die Frage nach dem Woher, dem Wozu, dem Warum. Er ist ein freier Akt des Vertrauens auf eine Wirklichkeit, die größer ist als wir. Und weil er auf Offenbarung beruht, ist der Glaube nicht blind, sondern sehend. Sehend auch im Hinblick auf Jesus Christus, diesen Mensch und Gott, diese Offenbarung Gottes in einer Person. Christsein bedeutet, zu vertrauen. Auf diesen Gott, der uns kennt. Auf diesen Gott, der uns nah ist, der Mensch geworden ist und uns erlöst hat. Einmalig und wunderbar, nicht wahr?

„Der Glaube gründet nicht auf Gefühlen, sondern auf Gottes lebendigem Wort in der Heiligen Schrift – und auf seiner erfahrbaren Nähe in den Sakramenten.“

Für alle, nicht für Eliten

Die Kirche ist nicht die Heimat der Starken, sondern das Krankenhaus der Schwachen. Ihre Lehre ist keine Theorie für Experten, sondern ein Lebensweg für alle. Sie fragt nicht zuerst: „Was fühlst du?“ oder „Was denkst du gerade?“ – sondern: „Willst du aufbrechen?“ Und sie tut dies nicht besserwisserisch, sondern schöpfend aus dem Erfahrungsschatz von zweitausend Jahren. Von Heiligen, Märtyrern, Zweiflern, Denkern, Müttern, Kindern und Millionen einfacher, betender Menschen, deren Leben oft ein größeres Zeugnis ablegt als jedes Buch. Mit dem Wissen um die Wirksamkeit der Gebete für Kinder, Gebete für Familien, Gebete zum Schutzengel. Gebete, die Halt und Hilfe spenden, die Anker der Seele in der Welt sind.

Die Sakramente wie Taufe, Eucharistie, Ehe und Krankensalbung sind die Zeichen des Unsichtbaren. Wirksame Werkzeuge Gottes, die den Menschen mit dem Göttlichen verbinden.

Habt Mut, genauer hinzusehen, weniger zu urteilen, sondern mehr zu wagen. Weniger zu spotten, sondern mehr zu fragen. Wer fragt, ist noch nicht verloren. Und wer sucht, ist dem gefunden werden näher, als er denkt.

In der Navigation oben rechts findet Ihr einige Kernpunkte unseres Glaubens. Damit Ihr Antworten habt - die Fragen kommen bestimmt. Spätestens, wenn ihr beginnt, das Kreuz offen zu tragen.

Die gängigsten Vorurteile – und was wirklich dahintersteckt

  • „Katholiken beten Maria und Heilige an“
    Nein. Heilige werden - genauso wie Maria - verehrt, nicht angebetet. Die Anbetung (Adoratio) gilt allein Gott. Heilige sind Fürsprecher – keine Ersatzgötter.
  • „Die Kirche lehnt Wissenschaft ab“
    Im Gegenteil. Viele bahnbrechende Wissenschaftler waren katholisch – darunter Mendel (Genetik), Lemaître (Urknall), Kopernikus. Glaube und Vernunft widersprechen sich nicht.
  • „Maria steht über Jesus“
    Niemals. Maria ist die Mutter Jesu, nicht seine Herrin. Ihre Verehrung gründet sich auf ihre Rolle im Heilsplan – nicht auf göttliche Macht.
  • „Der Papst ist unfehlbar“
    Gemeint ist das sogenannte ex cathedra-Lehramt: Wenn der Papst feierlich und endgültig eine Glaubenswahrheit (Dogma) definiert, die für die ganze Kirche verbindlich ist. Das geschah bislang nur sehr selten. Der Papst bleibt fehlbarer Mensch – aber wenn er ex cathedra spricht, ist die Kirche überzeugt, dass der Heilige Geist ihn in dieser Entscheidung vor Irrtum bewahrt.
  • „Katholiken dürfen nicht selbst denken“
    Der Glaube verlangt den ganzen Menschen – auch den Verstand. Wer glaubt, muss nicht aufhören zu denken. Aber er muss bereit sein, mehr zu erkennen als sich selbst.
  • „Die Kirche ist frauenfeindlich“
    Frauen haben im katholischen Glauben herausragende Rollen – von Maria bis zu heiligen Mystikerinnen, Lehrerinnen, Ordensgründerinnen. Priesterweihe ist nicht Wert-, sondern Sendungsfrage.
  • „Katholiken kaufen sich den Himmel durch Ablass“
    Nein. Der Ablass ist keine „Bezahl-Hölle-frei“-Karte, sondern Ausdruck von Buße und Umkehr. Der Missbrauch im Mittelalter wurde längst erkannt – die Lehre ist geblieben, die Praxis verändert.
 
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