1291
Das Ende der Hoffnungen - die Niederlage vor Akkon
Akkon war seit 1191 die wichtigste Festung und Hafenstadt des verbliebenen Königreichs Jerusalem. Von hier aus wurden Handelswege kontrolliert, Pilger aufgenommen und die letzten Reste christlicher Herrschaft im Heiligen Land verteidigt. Doch Ende des 13. Jahrhunderts war das Kreuzfahrerreich nur noch ein Schatten seiner selbst – politisch zersplittert, militärisch geschwächt und zunehmend von der Unterstützung Europas abgeschnitten.
Im Frühjahr 1291 rückte der Mamlukensultan al-Ashraf Khalil mit einem gewaltigen Heer von schätzungsweise 60.000 Mann gegen die Stadt vor.1 Ihm gegenüber standen höchstens 15.000 Verteidiger – darunter Templer, Johanniter, Deutschritter, italienische Söldner und Bürger der Stadt. Die christlichen Kräfte waren jedoch alles andere als geeint. Die Barone des Königreichs lagen seit Jahren in Rivalität miteinander, und auch zwischen den Ritterorden herrschte offene Feindschaft.2 Jeder misstraute den anderen, Absprachen wurden halbherzig getroffen oder gar sabotiert.
Rom zeigte kaum noch Interesse: Papst Nikolaus IV. hatte zwar zu einem neuen Kreuzzug aufgerufen, aber die Unterstützung blieb auf Versprechen beschränkt. Die europäischen Königshöfe waren mit eigenen Konflikten beschäftigt – England und Frankreich standen am Rande eines Krieges, im Reich herrschte politische Lähmung. Die Seemächte wie Genua und Venedig hatten ihre Prioritäten längst verlagert. Venedig, das im Vierten Kreuzzug noch den Ton angegeben hatte, betrieb inzwischen gewinnbringenden Handel mit den Mamluken und zeigte nur begrenzte Bereitschaft, Akkon wirklich zu verteidigen.3
Der Oberbefehl über die Verteidigung lag beim Templergroßmeister Guillaume de Beaujeu, einem erfahrenen, aber bereits gealterten Krieger. Er versuchte, die zerstrittenen Kräfte zu einen, stieß jedoch immer wieder auf Eitelkeiten und Eigeninteressen. Am 18. Mai 1291 wurde Beaujeu von einem Pfeil tödlich verwundet, als er an der Stadtmauer kämpfte.4 Sein Tod brach den Widerstandswillen vieler Verteidiger.
Nach wochenlangen Belagerungsarbeiten gelang es den Mamluken, die Mauern zu unterminieren und Sturmangriffe zu starten. Teile der Stadt wurden in erbitterten Straßenkämpfen erobert. Die Johanniter und Deutschritter zogen sich in ihre jeweiligen Festungsbezirke zurück, die Templer in ihre Hauptburg am Hafen. Am 28. Mai fiel auch diese – die letzten Überlebenden wurden entweder getötet oder als Sklaven verschleppt.
Mit dem Fall von Akkon endete die fast zweihundertjährige Präsenz der Kreuzfahrer im Heiligen Land.5 Für viele Zeitgenossen war dies nicht nur eine militärische Niederlage, sondern auch ein moralisches Scheitern – verursacht durch Uneinigkeit, kurzsichtige Politik und das allmähliche Vergessen des Kreuzzugsgedankens in Europa.
Die Belagerung von Akkon
- Dauer: 5. April – 28. Mai 1291
- Angreifer: Mamluken unter Sultan al-Ashraf Khalil
- Verteidiger: Templer, Johanniter, Deutschritter, Bürger und Söldner
- Oberbefehl: Guillaume de Beaujeu (Templer)
- Truppenstärke: ca. 60.000 Mamluken vs. 15.000 Verteidiger
- Ausgang: Einnahme der Stadt, Ende der Kreuzfahrerherrschaft im Heiligen Land
- Folgen: Verlust des letzten Stützpunkts im Heiligen Land; Rückzug der Christen nach Zypern
Quellen
- Runciman, Steven: A History of the Crusades, Vol. III, Kap. 24. ↩
- Tyerman, Christopher: God's War – A New History of the Crusades, S. 865–867. ↩
- Phillips, Jonathan: The Crusades, 1095–1204, Anm. zu den Handelsbeziehungen Venedigs. ↩
- Barber, Malcolm: The New Knighthood: A History of the Order of the Temple, S. 296–298. ↩
- Madden, Thomas F.: The Concise History of the Crusades, Kap. 12. ↩