1217-1221
Der Fünfte Kreuzzug - oder wie die Christen Jerusalem verschenkten
Der Fünfte Kreuzzug (1217–1221) zielte darauf, das Heilige Land über Ägypten zurückzugewinnen 1. Ägypten galt als Herz der Ayyubidenmacht; wer Damiette und den Nil kontrollierte, konnte Jerusalem politisch und militärisch unter Druck setzen 2.
1217 trafen erste Kontingente in Akkon ein (u. a. Andreas II. von Ungarn, Leopold VI. von Österreich), doch der Vorstoß blieb zersplittert 3. Der eigentliche Feldzug begann 1218 mit der Landung bei Damiette im Nildelta. Die Belagerung zog sich hin, doch 1219 fiel die Stadt 4.
Im Zentrum der Führungsfrage standen zwei Gestalten: der päpstliche Legat Pelagius von Albano und Johann von Brienne, der titulare König von Jerusalem. Pelagius beanspruchte als Vertreter des Papstes die Oberleitung und drängte auf eine prinzipielle, nicht verhandelbare Zielsetzung des Kreuzzugs 5. Johann von Brienne agierte pragmatischer und befürwortete, günstige Angebote des Gegners zu nutzen 6.
Tatsächlich bot Sultan al-Kamil unerwartet im Austausch für Damiette die Rückgabe Jerusalems sowie weiterer Stellungen an. Johann von Brienne neigte zur Annahme; Pelagius lehnte ab und hielt am militärischen Weg fest 8.
Ein schwerer Fehler: 1221 marschierten die Kreuzfahrer Richtung Kairo. Doch sie unterschätzten das Nildelta. Die Nilflut, Krankheiten und Versorgungsprobleme machten den Vormarsch zur Falle. Die Kreuzfahrer wurden eingekesselt, mussten kapitulieren und zogen unter Schmach und Verlusten ab.
Damiette ging verloren, Jerusalem blieb in muslimischer Hand.
Die Kreuzfahrer wurden 1221 bei Mansurah militärisch eingekesselt und standen kurz vor dem völligen Zusammenbruch. Sultan al-Kamil bot in dieser Situation ehrenvolle Kapitulationsbedingungen: freier Abzug, Rückgabe Damiettes und Austausch aller Gefangenen. Es ist bemerkenswert, dass der Sultan auf die Auslöschung der feindlichen Armee verzichtete – weder kam es zu Massenhinrichtungen noch zu systematischen Auslöseforderungen. Statt materieller Gewinne verfolgte al-Kamil offenbar politische Ziele: Er wollte Ägypten sichern, die christliche Bedrohung dauerhaft neutralisieren und zugleich als „edler Gegner“ in die Geschichte eingehen. 10
.Zeitleiste (Fünfter Kreuzzug)
- 1213 Aufruf zum Kreuzzug durch Innozenz III. 11
- 1217 Eintreffen der ersten Heere in Akkon; begrenzte Operationen in Palästina 3
- 1218 Landung bei Damiette und Beginn der Belagerung 4
- 1219 Fall Damiettes; Begegnung Franz von Assisi – Sultan al-Kamil 7
- 1219/1220 Verhandlungsangebote al-Kamils (u. a. Jerusalem gegen Damiette) 8
- 1221 Vorstoß Richtung Kairo, erzwungener Rückzug; Kapitulation und Räumung Damiettes 9
Quellen:
- Tyerman, Christopher: God’s War: A New History of the Crusades, 2006. ↩
- Riley-Smith, Jonathan: The Crusades: A History, 2nd ed., 2005. ↩
- Runciman, Steven: A History of the Crusades, Vol. III, 1954. ↩ ↩
- Oliver von Paderborn: Historia Damiatina (zeitgenössische Chronik). ↩ ↩
- Powell, James M.: Anatomy of a Crusade, 1213–1221, 1986. (zu Pelagius’ Rolle) ↩
- Phillips, Jonathan: The Crusades, 1095–1204 u. Aufsätze; sowie: Madden, Thomas F.: einschlägige Beiträge zu Johann von Brienne. ↩
- Classen, Albrecht (Hg.): Franziskus und der Sultan (Aufsatzsammlung); außerdem zeitgenössische Briefe der Minderbrüder. ↩ ↩
- Tyerman, Christopher; Powell, James M.: Darstellung der Verhandlungen mit al-Kamil. ↩ ↩
- Riley-Smith; Runciman: zum Abzug 1221 und den Bedingungen. ↩ ↩
- Housley, Norman: The Later Crusades, 1274–1580, Einleitungskapitel zur Wirkungsgeschichte des 5. Kreuzzugs. ↩
- Innozenz III., Schreiben und Beschlüsse vor dem IV. Laterankonzil (1215); vgl. Powell, Anatomy. ↩