1248 und später
Heldenhafte Könige - Einsatz ohne Lohn
Die letzten großen Kreuzzugsunternehmungen des 13. Jahrhunderts – der Siebte (1248–1254), der Achte (1270) und der Neunte Kreuzzug (1271/72) – standen ganz im Zeichen des französischen Königs Ludwig IX., später als „der Heilige“ kanonisiert 1. Sie markierten den letzten ernsthaften Versuch des Westens, durch größere Expeditionen das Heilige Land zu sichern oder zurückzugewinnen.
Der Siebte Kreuzzug (1248–1254)
Auslöser war der Verlust Jerusalems 1244 an die Choresmier, der die Christenheit erschütterte
und Ludwigs persönliche Kreuzzugsgelübde aktivierte
2.
Das Ziel war Ägypten, erneut als Schlüssel zur Kontrolle des Nahen Ostens.
Ludwig landete 1249 mit rund 15.000 Mann – darunter etwa 2.500 Ritter – in Damiette,
das kampflos fiel 3. Zum zweiten Mal nach 1219 war die Einnahme der Stadt ein erfolgreicher Auftakt, dem jedoch dauerhafter Erfolg versagt blieb.
Denn der Vormarsch Richtung Kairo scheiterte im Frühjahr 1250 bei al-Mansura, wo die Kreuzfahrer in städtischen Straßengefechten schwere Verluste erlitten.
Ludwig geriet in Gefangenschaft und wurde erst nach Zahlung eines hohen Lösegeldes freigelassen. Bis 1254 blieb er auf Zypern und in Akkon, um die verbliebenen christlichen Besitzungen zu stärken.
Der Achte Kreuzzug (1270)
Geplant als Unterstützung für die bedrängten Kreuzfahrerstaaten, führte Ludwig die
Unternehmung überraschend nicht ins Heilige Land, sondern nach Tunis
4.
Historiker vermuten dahinter strategische und wirtschaftliche Motive:
Tunis war ein wichtiger Handels- und Versorgungshafen im westlichen Mittelmeer,
und man hoffte auf eine Bündnisoption mit dem Herrscher, um einen Vorstoß nach Ägypten
vorzubereiten.
Die Expedition endete katastrophal:
Schon kurz nach der Landung brach in Lager und Stadt eine Seuche (wahrscheinlich Typhus oder
Ruhr) aus; Ludwig IX. selbst erlag der Krankheit am 25. August 1270.
Der Kreuzzug wurde abgebrochen.
Der Neunte Kreuzzug (1271/72)
Oft als Fortsetzung des Achten gesehen, war er eng mit den Unternehmungen des englischen
Prinzen Eduard (später Eduard I.) verbunden
5.
Eduard kam mit einer kleinen Streitmacht – etwa 1.000 Mann – nach Akkon und versuchte,
durch Bündnisse mit den Mongolen Druck auf die Mamluken aufzubauen.
Die Kooperation blieb jedoch episodisch, und militärische Erfolge blieben aus.
Nach einem Mordanschlag durch einen mutmaßlichen Assassinen (den Eduard überlebte) brach er 1272
die Unternehmung ab.
Mit ihm endete die Reihe der großen abendländischen Kreuzzüge ins Heilige Land.
Nicht jede gute Absicht führt zum Ziel. Nicht jeder heilige Krieg ist auch ein heiliger Weg.
Zeitleiste: Die späten Kreuzzüge
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1248–1254 – Der Siebte Kreuzzug unter Ludwig IX. von Frankreich. Ziel: Ägypten. Ergebnis: Gefangenschaft und Lösegeld.
1270 – Achter Kreuzzug, erneut unter Ludwig IX. Diesmal Ziel: Tunis. Ergebnis: Krankheit, Tod des Königs, Abbruch.
1271–1272 – Neunter Kreuzzug unter Eduard von England. Einzelaktionen in der Levante. Kein strategischer Erfolg.
1291 – Fall von Akkon. Ende der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land. Europa zieht sich zurück.
Quellen
- Wikipedia – „Ludwig IX. (Frankreich)“: Biografische Daten, Kreuzzugspolitik und Heiligsprechung.
de.wikipedia.org - Hans Eberhard Mayer: *Geschichte der Kreuzzüge*. Kohlhammer, Stuttgart 2005. – S. 239–241: Auslöser des 7. Kreuzzugs, Choresmierinvasion 1244.
- Jonathan Riley-Smith: *The Crusades – A History*. Yale University Press 2005. – S. 255–259: Landung in Damiette, Verlauf bis zur Gefangennahme Ludwigs IX.
- Christopher Tyerman: *God’s War – A New History of the Crusades*. Penguin Books, 2007. – S. 769–772: Gründe für den Kreuzzug nach Tunis, Tod des Königs.
- Steven Runciman: *A History of the Crusades*, Vol. III: The Kingdom of Acre and the Later Crusades. Cambridge University Press 1954. – S. 408–414: Eduards Expedition, Kontakt mit den Mongolen, gescheiterter Mordanschlag.